Freitagspredigt

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Verantwortungsbewusstsein
(05.04.2019)

 

Meine Geschwister!

Einer der schönen Namen des erhabenen Allahs ist der Name „al-Mu’min“. Der Name al-Mu’min umfasst Bedeutungen wie, der dem Vertrauen entgegengebracht wird, der der, Vertrauen entgegen bringt, der der das Geborgenheitsgefühl vermittelt und der der sich in Sicherheit befindet. Jeder einzelne Begriff wie Glaube (Iman), Gläubige (Mu’min), Vertrauen (Amn) und Anvertrautes (Amana) findet seinen Platz unter dem Dach der „Geborgenheit“.

Das vom Herzen empfundene Vertrauens- und Sicherheitsgefühl an die Existenz und Einheit Allahs wird Iman, Glaube, genannt. Derjenige, der auf die Versprechen und Verheißungen Allahs vertraut, wird Mu’min, der Gläubige, genannt. Die Abwesenheit jeglicher Furcht eines Menschen wird Amn, Sicherheit, genannt. Die Zuständigkeit einer Sache vorübergehend einer vertrauenswürdigen Person zu übergeben, wird Amana, Verantwortung, genannt.

Meine Geschwister!

In dem am Anfang meiner Freitagspredigt rezitierten edlen Vers thematisiert der erhabene Allah eine große Verantwortung. Dieser Verantwortung entzogen sich sogar die Himmel, deren Grenzen wir immer noch nicht ganz erfassen können, der Erdboden, der Milliarden von Lebewesen beherbergt und die Berge mit ihrer ganzen Erhabenheit. Sie fürchteten sich alle, diese Last nicht tragen zu können.

Im Vers wird berichtet, dass diese Verantwortung seitens der menschlichen Gattung – auch wenn sie ungerecht und sich ihrer Verantwortung nicht bewusst ist –  übernommen wurde.1 Gemäß des Schöpfungszwecks des Menschen und gemäß der von Allah offenbarten Informationen, beinhaltet diese Verantwortung, die Welt als Ort des Friedens zu kultivieren.

Ohne Zweifel besitzt der Mensch die Fähigkeit, mit seinem Verstand komplexe Verbindungen zwischen Ereignissen zu erkennen. Mit seiner Urteilskompetenz, die das Richtige vom Falschen trennt, und mit seinem Tatendrang, die Welt zu kultivieren und bebauen zu können, ist er in der Lage, diese Verantwortung zu tragen.

Meine verehrten Geschwister!

Ab unserer Geburt sind wir nicht die eigentlichen Besitzer der Gaben, die uns geschenkt werden, sondern ihre Treuhänder. Unsere Hände und Füße, Augen und Ohren, Zungen und Lippen, all unsere Organe sind uns treuhänderisch anvertraut. Hierzu werden sie Zeugnis für oder gegen uns ablegen.

Unser Verstand ist uns treuhänderisch anvertraut. Den Verstand nicht aktiv einzusetzen, nicht zu denken, nicht kritisch zu hinterfragen und blind nachzuahmen, bedeutet Verrat gegenüber demjenigen, Der uns den Verstand schenkte. Das göttliche Gesetz ist klar und eindeutig: ‎”Keiner Seele ist es möglich zu glauben, außer mit Allahs Erlaubnis; und seinen Zorn wird Er über die senden, welche nicht begreifen.”‎2

Unser Leben ist uns treuhänderisch anvertraut. Wer sich dessen bewusst ist, kann keinem das Leben nehmen, keiner Seele Schmerzen zufügen und keine Seele bedrängen. Vielmehr wird diese Person sich darum bemühen, anderen Leben zu verleihen und jedem Lebewesen, das eine Seele hat, Barmherzigkeit zu spenden.

Unser Eigentum ist uns treuhänderisch anvertraut. Dem Menschen gebührt es sich nicht, Diener seines Eigentums zu sein, im Gegenteil soll er Herr darüber sein. Welch schönes Vorbild ist für uns der Prophet (s), der trotz der lebensgefährlichen Situation während seiner Auswanderung (Hidschra), im vorab die ihm anvertrauten Güter an ihre Besitzer zurückgab.

Unsere Kinder sind uns treuhänderisch anvertraut. Eltern, die den materiellen Hunger ihrer Kinder stillen aber ihnen ihre seelische Nahrung nicht verabreichen, träumen im eigentlichen Sinne  wohl nicht von einem gemeinsamen Leben mit ihren Kindern im Paradies.

Unsere Religion, die „Islam“, also „Frieden“ genannt wird, ist uns als Gläubige (al-Mu’min) anvertraut. Alle negativen Handlungen, die den Frieden angreifen, alle negativen Schritte, alle ausgrenzenden und diskriminierenden Aussagen sind ein großer Verrat am Wertesystem dieser erhabenen Religion.

Unsere uralte Welt ist uns anvertraut. Wir alle sollten gemeinsam das Ziel des Propheten Muhammed (s) aufrechterhalten, der sagte: „Wenn ihr wüsstet, dass morgen der jüngste Tag einbricht, pflanzt heute noch den Setzling in eurer Hand ein.“3 Das Ziel dabei ist, eine saubere und lebenswerte Welt für die kommenden Generationen zu hinterlassen.

Die Zeit nicht angemessen nutzen zu können, ist Verrat an Allah als Schöpfer der Zeit. Schlechte Angewohnheiten, die unserem Körper Schaden zufügen, sind ein Verrat an Allah, der uns unseren Körper geschenkt hat. Zusammenfassend werden wir  zu allen uns anvertrauten Gaben Rechenschaft ablegen da wir nicht deren eigentliche Eigentümer sind.

Verehrte Gläubige!

Wir als Gemeinschaft des Propheten stehen in der Pflicht, als freiwillige Vertreter seines das Projektes, „vertrauenswürdige Gesellschaft“ zu fungieren. Schließlich wurde der Prophet sogar von seinen Feinden als „vertrauenswürdig/al-Amin“ bezeichnet.

Als anderthalb Milliarden Angehörige der islamischen Gemeinschaft und als Angehörige der Menschheitsfamilie von siebeneinhalb Milliarden Menschen sind wir alle uns gegenseitig anvertraut.

Möge Allah uns zu solchen Personen machen, die das Anvertraute treuhändig verwalten und nicht verraten!

 

Die DITIB-Predigtkommission
 

1 Koran, al-Ahzab, 33/72                                                                           
2 Koran, Yunus, 10/100                                                                              
3 Buhari, al-Adabul-Mufrad, s. 168
4 Koran,at-Tekasur, 102/8

2019-04-05    


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